Erschienen in: Energy 2.0 Oktober 2011, S. 10
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Stromautobahn im Mittelmeer

Siemens hat Red Eléctrica de España (REE) Hochspannungsgleichstromübertragungs-Technik (HGÜ) geliefert, mit deren Hilfe der spanische Netzbetreiber Mallorca an das spanische Festland angeschlossen hat. Mit der im Mittelmeer verlegten „Stromautobahn“ wird künftig ein erheblicher Teil des Strombedarfs der Ferieninsel aus erneuerbaren Energien vom Festland gedeckt. Zugleich erhöht sich die Versorgungssicherheit der Insel.

„Das Projekt steht stellvertretend für einen Trend in Europa: Die Stromnetze wachsen stärker zusammen. Mit unserer HGÜ-Technik können erneuerbare Energien über weite Strecken mit nur geringen Verlusten übertragen werden. HGÜ-Leitungen werden zum Rückgrat der Stromnetze und der Energiewende. Sie helfen, den Anteil der erneuerbaren Energien im europäischen Strommix zu erhöhen“, sagte Michael Süß, Mitglied des Siemens-Vorstands und CEO des Siemens-Sektors Energy. „HGÜ wächst rasant. In den vergangenen 40 Jahren wurden weltweit lediglich Verbindungen mit insgesamt 100GW Leistung installiert, davon rund 40% von Siemens. Allein in diesem Jahrzehnt erwarten wir, dass weltweit weitere HGÜ-Leitungen mit 250GW Kapazität ausgeschrieben werden“, ergänzte Süß.

„Ein Hauptgrund für die Anbindung von Mallorca an das Festland war die Erhöhung der Versorgungssicherheit auf den Balearen. Stromausfälle gehören auf Mallorca bald der Vergangenheit an“, sagte Ramón Granadino, der bei Red Eléctrica de Espana das Geschäft auf der Inselgruppe der Balearen verantwortet. Im Auftrag des spanischen Netzbetreibers hat Siemens zwei Anlagen zur Umwandlung von Wechselspannung in Gleichstrom installiert, eine in der Nähe der Inselhauptstadt Palma de Mallorca und die zweite auf dem spanischen Festland nahe Valencia. Zwischen den beiden Stationen wurde eine 244 Kilometer lange Stromleitung durch das Mittelmeer verlegt. Dank der HGÜ-Verbindung können 400MW Leistung nach Mallorca übertragen werden, was gut 25 Prozent der dort installierten Kraftwerksleistung entspricht. Somit kann vom Festland künftig der Strombedarf von einem Viertel sowohl der 860.000 Einwohner als auch der jährlich zehn Millionen Touristen gedeckt werden. Der Strom auf dem spanischen Festland hat einen besonders hohen Ökostrom-Anteil und besteht zu 35 Prozent aus erneuerbaren Energien, während auf Mallorca praktisch ausschließlich konventionelle Kraftwerke mit Gas, Kohle oder Erdöl betrieben werden. Im Vergleich zum alternativ möglichen Neubau eines zusätzlichen Kraftwerks lassen sich durch die Anbindung ans Festland die Emissionen auf 1,2 Millionen Tonnen CO 2 jährlich halbieren. Zudem wäre ein neues Kraftwerk nur während der Hauptsaison ausgelastet, da sich der Strombedarf auf Mallorca während der Sommermonate in den Spitzenzeiten in etwa verdoppelt. Nicht nur Mallorca, sondern auch weite Teile der Balearen werden infolge der neuen Verbindung künftig mit Strom vom Festland versorgt, denn von Mallorca besteht schon eine Drehstromleitung nach Menorca, und ein weiteres Seekabel nach Ibiza ist geplant. Von Ibiza wiederum gibt es bereits ein Kabel nach Formentera.

HGÜ ist bei Kabeln von mehr als 80 Kilometern Länge die einzig mögliche Technik zur Stromübertragung. Denn bei Erd- oder Seekabeln ab dieser Leitungslänge kommt bei Wechselspannung am Endpunkt praktisch keine Energie mehr an, weil die Isolierung des Kabels sich wie ein Kondensator auflädt und dadurch die Energie bindet. Die nun nach Mallorca verlegte Leitung besteht aus drei einzelnen und in jeweils einem Stück hergestellten Seekabeln, die vom italienischen Kabelspezialisten Prysmian zusammen mit dem französischen Kabelproduzenten Nexans geliefert und in bis zu 1485 Metern Tiefe auf dem Grund des Mittelmeeres verlegt wurden. Bei Überlandleitungen reduziert die HGÜ-Technik die Übertragungsverluste in der Regel um 30 bis 50%. Gleichzeitig können bei gleicher Trassenbreite 30 bis 40% mehr Energie übertragen werden.

Siemens hat weltweit bereits mehr als 40 HGÜ-Projekte realisiert, ein Viertel davon in China. Über diese HGÜ-Verbindungen von Siemens fließt insgesamt so viel elektrische Energie, wie es dem durchschnittlichen Stromverbrauch von Ländern wie Spanien oder Italien entspricht. Über die zum Ende des Jahrzehnts erwarteten weltweiten HGÜ-Verbindungen mit insgesamt 350GW könnte in etwa so viel elektrische Energie transportiert werden, wie es dem durchschnittlichen gemeinsamen Strombedarf aller 27 Länder der europäischen Union entspricht.

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